Dienstag, 17. September 2013

Telefoninterview mit Josef Winkler (Die Grünen)

KLJB Bundesseelsorger Daniel Steiger sprach mit Josef Winkler, kirchenpolitischer Sprecher der Grünen, MdB für die Grünen und zuständig für den interreligiösen Dialog, über die Zukunft Ländlicher Räume, ökologische Landwirtschaft und die Frage, was eine/n gute/n PolitikerIn ausmacht.

Josef Winkler im KLJB Interview

Josef Winkler im KLJB Interview

Daniel Steiger: Partizipation von Jugendlichen ist für die KLJB ein wichtiges Thema: Wie müssen Jugendliche heute beteiligt werden?

 

Josef Winkler: Die Shell Jugendstudie hat gezeigt, dass das politische Interesse Jugendlicher ist in den letzten Jahre gestiegen ist. Von 2002 bis 2010 um 10%.  Das hat sich auch beispielsweise bei den Demonstrationen gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken gezeigt, an denen sehr viele junge Leute teilgenommen haben. Aber die Frage an die Politik lautet natürlich: Wie kann man dies aktiv noch verbessern? Wir hatten vor einigen Jahren den nationalen Aktionstag für ein kindergerechtes Deutschland, wo ein Ausbau der Partizipationsangebote für Kinder und Jugendliche auf allen Ebenen gefordert wurde. Die jetzige Bundesregierung hat diesen Plan allerdings auslaufen lassen.

 

Partizipation fängt schon im Kindergarten an, da gibt es die sogenannte Demokratische Kita. Das geht dann in den Schulen weiter. Jugendparlamente und andere Projekte sollten ausgebaut werden. Aber wenn dort etwas entscheiden wird, muss das auch Folgen habe! Es darf nicht nur „gelabert“ werden!

 

Daniel Steiger: Du stammst selbst aus einer ländlich geprägten Region. Was sind für dich wichtige Entwicklungsziele Ländlicher Räume?

 

Josef Winkler: Im Rhein-Lahnkreis, von wo ich stamme, ist besonders der demographische Wandel eine große Herausforderung. Junge Leute ziehen beispielsweise zum Studium weg, da sie das nicht vor Ort machen können. Ein erheblicher Teil kehrt dann nicht zurück, findet seine neue Heimat woanders. Da muss die Infrastruktur ausgebaut und attraktiver gemacht werden. Alle Schulzweige müssen angeboten werden, damit jeder jeden Abschluss machen kann. Weitere wichtige Themen aus unserer Sicht sind nachhaltiger Tourismus, der wenige Emissionen hervorruft. Es sollte keine neuen Industrieansiedlungen geben. Man sollte stärker auf ökologische Landwirtschaft und den Ausbau erneuerbarer Energien setzen – dann hat der Ländliche Raum auch Überlebenschancen.

 

Mobilität muss garantiert werden. Wo es keine Schienen gibt, muss ein alternativer öffentlicher Nahverkehr gewährleistet werden, beispielsweise durch Anrufsammeltaxis, gute Busverbindungen usw. Sonst sieht es für Ländliche Regionen über kurz oder lang nicht gut aus.

 

Daniel Steiger: Staatliche Förderungen für Nachhaltige Landwirtschaft – was sind da die wichtigsten ökologischen Kriterien?

 

Josef Winkler: Keine Massentierhaltung sondern vernünftige Betriebsgrößen, die die Umwelt nicht im Übermaß beanspruchen, müssen gefördert werden. Beim Thema Agrar wird immer noch viel zu viel auf Fläche gesetzt, Qualität sollte dort das Kriterium für Förderungen sein. Da sollte die EU ihre Förderungen überdenken. Es wird nie so sein, dass wir 100 Prozent ökologische Landwirtschaft haben. Aber wenn wir flächendeckend ökologisch wirtschaftende Betriebe haben ist das werbewirksam und es verbessert die Lebensqualität wenn man weiß, ich kann aus der Region gute Produkte beziehen. Das macht sich auch bei Leuten, die dort im Urlaub sind, positiv bemerkbar.

 

Daniel Steiger: Regional-saisonal und öko-faire Beschaffung: Schaffst du es selbst, deinen Haushalt nach diesen Kriterien auszustatten?

 

Josef Winkler: Im Büro ist das leider nicht möglich, denn der Bundestag erlaubt es nicht, dass man Material irgendwo bezieht. Die schreiben das aus, und nur beim Unternehmen, das dann gewonnen hat, muss man dann bestellen. Da gibt es Nachholbedarf! Wir haben schon versucht, da etwas zu verändern, aber ohne Erfolg. Da brauchen wir eine Änderung der Vergaberichtlinien, und das betrifft nicht nur den Bundestag sondern die ganze öffentliche Hand.

 

Ich selbst kaufe gar nicht viel ein, da ich meist unterwegs bin. In meiner Wohnung in Berlin bin ich meist nur zum Übernachten. Wir haben aber schon durchgesetzt, dass wenigstens ein Bio-Essen in der Bundestags-Mensa verfügbar ist, dass es mehr Bioprodukte gibt. Ich versuche, im Supermarkt möglichst Bioprodukte einzukaufen. Allerdings nutzt es mir nichts wenn ich Biotomaten habe, die dann aber aus Argentinien oder sonst woher kommen. Das ist zwar einerseits ganz schön, dass die da angebaut werden, aber wenn sie so eine weite Strecke zurücklegen, um hier anzukommen… Man muss also darauf achten: nicht nur Bio, sondern auch „Wo kommt es her?“. Produkte von Bauern aus der Region finde ich also unterstützenswert.

 

Daniel Steiger: Was macht für dich eine gute Politikerin bzw. einen guten Politiker aus?

 

Josef Winkler: Gut kann vieles bedeuten: Gutes Wahlergebnis und gute Politik muss nicht zwangsläufig übereinstimmen. Man muss den Wählern schon vor der Wahl reinen Wein einschenken und sagen, was man vorhat – auch wenn das unpopulär ist. Man muss jederzeit für seine Wählerinnen und Wähler ansprechbar sein, auch über den Wahlkreis hinaus. Bei Problemen, die durch Behörden entstehen (zum Beispiel wenn Gesetzte nicht richtig ausgelegt werden), muss man behilflich sein. Ich mache das seit vielen Jahren im Petitionsausschuss. Das finde ich, sind die wesentlichen Punkte, und ich versuche mich selbst so gut wie möglich daran zu halten.

 

Vielen Dank für das Gespräch!





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