Freitag, 02. Februar 2018

Eröffnungsrede Berliner Büro

Rede des Bundesvorstandes

Der KLJB-Bundesvorstand bei seiner Rede zur Eröffnung des Büros in Berlin

Rede des KLJB-Bundesvorstands zur Eröffnung des Berliner Büros

 
Sehr geehrte Gäste,

liebe Freundinnen und Freunde,

liebe KLJBlerinnen und KLJBler,


wir freuen uns, Sie und euch heute zur offiziellen Eröffnung unserer Büroräume in Berlin willkommen heißen zu dürfen! Besonders begrüßen möchten wir Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Maria Flachsbarth und Prälat Dr. Karl Jüsten, den Leiter des Kommissariats der Deutschen Bischöfe!

Nun ist es also endlich soweit – auch die KLJB hat den Sprung von Bonn nach Berlin geschafft und wir sind nun auch mit einer Außenstelle in der Hauptstadt vertreten! Während unser Hauptsitz in Rhöndorf bei Bonn bleibt, wollen wir mit unserem Büro in Berlin näher dran sein am politischen Geschehen in der Hauptstadt und so die Möglichkeit schaffen, noch öfter bei Veranstaltungen dabei sein zu können, um mit Politikerinnen und Politikern, Vertreterinnen und Vertretern der Kirche und vielen unserer KooperationspartnerInnen, die auch in Berlin ihren Sitz haben, ins Gespräch zu kommen.

Themen gäbe es jedenfalls viele, die die 70.000 KLJB-Mitglieder bewegen.

 

Unsere Arbeit
Ganz zentral ist in diesem Jahr für uns das Thema Frieden. 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gibt es auch heute noch viel zu viele Krisenherde in aller Welt: Neben Kriegen und bewaffneten Konflikten sind autoritäre Regierungen dabei ihre Staaten umzukrempeln, der Präsident der USA ist unberechenbar und beschwört neue Krisen durch unbedachte Äußerungen und nächtliche Tweets herauf und auch wir in Europa stehen weiterhin vor großen Herausforderungen – Stichwort Brexit und die Zukunft der EU. Wir als KLJB wollen gerade in diesem Gedenkjahr 100 Jahre nach Ende des ersten Weltkriegs nicht nur auf dem Katholikentag, sondern vor allem gemeinsam mit unseren Freundinnen und Freunde von der französischen Landjugend ein klares Zeichen für den Frieden setzen, miteinander ins Gespräch kommen und Verständnis füreinander entwickeln. Unter dem Motto „RENDEZVOUS! Gemeinsam für Europa!“ veranstalten wir im August in Frankreich ein großes gemeinsames Landjugendtreffen, ein Friedensfestival könnte man sagen.

Vier Tage werden tausende Jugendliche aus Deutschland, Frankreich und aus  unseren europäischen und internationalen Partnerländern sich über Demokratie und das Zusammenleben auf der Erde austauschen. „Friede, Freude, Götterfunken“ – das wollen wir gemeinsam für ein friedliches Europa und eine friedliche Welt versprühen. Wir freuen uns, dass auch Dr. Markus Ingenlath, Generalsekretär des Deutsch-französischen Jugendwerks heute Abend hier ist, der uns bei unseren Planungen und unserem Vorhaben unterstützt.

 

Unsere Verantwortung
Nicht nur beim Thema Frieden ist uns als Verband klar, dass wir alle gemeinsam eine globale Verantwortung tragen. Die KLJB ist durch viele internationale Partnerschaften und unseren internationalen Dachverband MIJARC vernetzt mit Jugendlichen überall auf der Welt. Gemeinsam setzen wir uns für Ernährungssouveränität, den fairen Handel und kritischen Konsum ein. In Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Herr Beger ist auch heute hier, und anderen Partnerinnen und Partnern führen wir das Projekt „Lamu Jamii“ in Kenia durch – Kleinbäuerinnen und -bauern stellen dabei auf biologischen Baumwollanbau um, vernetzen sich entlang einer fairen Produktionskette, bauen sich eine Existenz auf und bieten für die Jugend in der Region eine Perspektive.

 

Wir setzen uns für Nachhaltigkeit ein!
Die Sustainable Development Goals sehen wir als einen der Schlüssel zu einer gelungenen Entwicklungszusammenarbeit, zur Bekämpfung von Fluchtursachen vor Ort und als den Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft. Wir beobachten die Umsetzung der SDGs in Deutschland und werden selbst aktiv: Im Rahmen unserer Schwerpunktkampagne „TURN IT! Hier bewegt, Welt gedreht!“ verankern wir nachhaltige Themen noch tiefer im Verband und wollen Jugendliche auf allen Ebenen motivieren, in Gruppenstunden, bei Exkursionen, Workshops oder gemeinsam mit ihrer Gemeinde für ein nachhaltiges Leben aktiv zu werden. Dabei informieren sich die Jugendlichen selbst, leisten viel Bildungsarbeit, und werden ganz konkret: Sie initiieren Upcycling-Projekte, stellen auf faire Produkte in ihrem Jugendraum um, überzeugen die Pfarrgemeinden, Ökostrom zu nutzen und im Sinne des kirchlichen Divestments Vermögen ethisch vertretbar anzulegen oder sammeln zu Erntedank im Rahmen der Minibrotaktion Spenden für gemeinnützige Zwecke.
 
Nachhaltiges Denken ist uns als Landjugend aber auch bei landwirtschaftlichen Themen wichtig. Wir begrüßen die Initiative des Bundesumweltministeriums, nach dem Atomkonsens und ersten Schritten hin zu einem Kohlekonsens – auch im Hinblick auf die Landwirtschaft einen Agrarkonsens anzustreben.

Wir als KLJB-Bundesverband unterstützen weder die große "Wir haben es satt!" Demo, welche für ein Umdenken in der Landwirtschaft eintritt, noch die Gegendemo "Wir machen euch satt". Wir sind uns aber sicher, dass an beiden Demonstrationen KLJBlerinnen und KLJBler teilnehmen werden. – mit ihren ganz persönlichen Ansichten und Beweggründen, die berechtigt und nicht weg zu diskutieren sind. Wir als KLJB machen uns stark für den direkten Austausch von Argumenten und das miteinander ins Gespräch Kommen. Wir setzen als Verband, in dem viele Junglandwirte - und zwar Vertreterinnen und Vertreter der konventionellen wie der ökologischen Landwirtschaft - miteinander gemeinsam um die besten Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft ringen, auf Dialog statt auf Konfrontation. Deswegen unterstützen wir die Bemühungen des BMUB nach einem Agrardialog ausdrücklich. Wir wünschen uns einen, im politischen Sinne ressortübergreifenden Dialog mit allen Beteiligten und wollen unser Möglichstes dazu beitragen. Schon in den vergangenen Jahren haben wir uns stark in den Grünbuchprozess und den darin integrierten Dialog mit den Kirchen von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt eingebracht und mitgestaltet. In unserem Verband gelingt die Verbindung von Nachhaltigkeit, Ökologie und unserer globalen Verantwortung mit den Interessen der bäuerlichen Landwirtschaft - auch wenn das zugegebenermaßen nie einfach und oft kräftezehrend ist und die Dialog- und Kompromissbereitschaft aller Beteiligten erfordert. Wir hoffen, dass das in den kommenden Jahren auch auf dem Weg zu einem bundesweiten Agrardialog und auf europäischer Ebene hin zu einer gerechteren Gemeinsamen Agrarpolitik gelingt.


Wir reden Tacheles!
In den Dialog werden wir in diesem Jahr auch mit der katholischen Kirche gehen. Wir freuen uns über die Jugendsynode in Rom und hoffen, dass viele Themen, die junge Christinnen und Christen bewegen, aufs Tableau kommen und offen diskutiert werden können. Es ist kein Geheimnis, dass wir uns als katholischer Jugendverband, der nach demokratischen Prinzipien funktioniert und damit sehr gute Erfahrungen macht, innerhalb der Kirche deutlich mehr demokratische Strukturen wünschen. Auch nicht verwunderlich ist, dass wir uns trotz unserer Verankerung im traditionsbewussten Milieu der Dörfer und ländlichen Regionen, klar für Diversität und den Reichtum der Vielfalt einsetzen.

Als erster der katholischen Bischöfe in Deutschland regte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode vergangene Woche ein Nachdenken über die Segnung homosexueller Paare an. Nach der wegweisenden Entscheidung des Deutschen Bundestags freuen wir uns über diese Entwicklung und hoffen, dass auch andere Bischöfe bald ins Nachdenken kommen. Wir stehen gemeinsam mit den anderen Jugendverbänden in unseren Dachverbänden, dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend und dem Deutschen Bundesjugendring, für ein buntes Land und zeigen klare Kante gegen Extremismus.  Im Projekt „Tacheles!“ setzen wir uns zusammen mit dem Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland gegen jegliche Art von Extremismus ein. Gemeinsam mit dem BDKJ und seinen Jugendverbänden haben wir im vergangenen Jahr in der Kampagne „Zukunftszeit – Gemeinsam für ein buntes Land“ unsere Stimme gegen Rechtspopulismus in Deutschland und im Deutschen Bundestag erhoben. Diskriminierung, Ausgrenzung und „Alternative Fakten“ – das gestern gekürte Unwort des Jahres – haben in unserem Deutschland keinen Platz!

 

Wir mischen mit!
Nicht zuletzt warten natürlich auch wir gespannt auf eine neue Regierung und verfolgen mit großem Interesse die anhaltenden Sondierungen und Koalitionsgespräche – heute haben wir gleich mehrere SondiererInnen der vergangenen Tage unter uns (beispielsweise Paul Lehrieder, CSU / Gitta Connemann). Dass Europa im Sondierungspapier von CDU, CSU und SPD ganz oben steht, Kinderrechte endlich ins Grundgesetz sollen und der Ausbau von Erasmus+ geplant ist, hat uns besonders gefreut. Positiv bewerten wir die grundsätzliche Erkenntnis, dass eine Stärkung der Zivilgesellschaft unerlässlich ist für eine Stärkung unserer Demokratie. Die Rückschritte bei der Integrations- und Asylpolitik und das absolute Fehlen der Lebensphase Jugend und einer klaren Jugendstrategie sind für uns junge Menschen allerdings enttäuschend. Somit ist das in unseren Augen noch kein wirklich gutes Ergebnis im Sinne einer generationengerechten Politik. Wir sind aber optimistisch, dass die weißen Flecken im Sondierungspapier in den Koalitionsverhandlungen noch mit Leben gefüllt und in unserem Sinne gestaltet werden. Gerne kommen wir dazu mit Ihnen und Ihren KollegInnen ins Gespräch, um den Agrarkonsens möglich zu machen, den Kohleausstieg und die Energiewende zu beschleunigen, die Jugendverbandsarbeit finanziell und strukturell abzusichern, Europa zukunftsweisend zu gestalten und das Miteinander in unserem Land zu stärken.

Ja, es bleibt spannend und für die KLJB beginnt mit der Eröffnung unseres Berliner Büros ein neues Kapitel der politischen Netzwerkarbeit. Wir möchten Sie und euch gerne einladen, sich über adie angesprochenen und andere Themen im Laufe des heutigen Abends mit uns und untereinander auszutauschen!

Wir wünschen Ihnen und euch einen schönen Abend und bedanken uns für Ihr Kommen!

 

Stefanie Rothermel, Tobias Müller, Daniel Steiger und Stephan Barthelme

 

 

 


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