Montag, 16. März 2015

Der Welthandel muss fairer werden!

KLJB formuliert ihre Visionen vom Fairen Handel weltweit

Diskussionsrunde mit VertreterInnen aus verschiedenen Bereichen des Fairen Handels: v.l.n.r. Wilfried Wunden (Misereor), Hans Schmeh (Hagenweilerhof), Jan und Wiebke Goos (Goos Jewellery), Tina Trinks (Fairphone), Andreas Lackner (Fairtransport) und Anja Müting (Mitglied des Bundesarbeitskreises Internationale Entwicklung der KLJB.) Foto:KLJB

Bad Honnef-Rhöndorf, 16. März 2015. Der Faire Handel muss fairer werden. Davon ist die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) überzeugt. Auf ihrer Bundesversammlung, die vom 25. Februar bis zum 1. März 2015 in Herzogenrath bei Aachen stattfand, hat der Jugendverband in einem umfassenden Beschluss seine Vision eines Fairen Handels formuliert. Das Positionspapier mit dem Titel „UnFAIRbesserlich? Wie Fairer Handel den Welthandel gerechter gestalten kann“ wurde von der Bundesversammlung einstimmig beschlossen.

 

Menschenrechtsbasierter Ansatz und Ausweitung auf den globalen Norden

Die KLJB fordert darin, dass der weltweite Handel einen konsequent menschenrechtbasierten Ansatz verfolgt. „Es muss ein neues Modell entstehen, das Chancengleichheit bietet und sich an den Grundsätzen des Fairen Handels orientiert. Länder des globalen Südens dürfen nicht benachteiligt werden“, erklärt Daniel Steiger, Bundesseelsorger der KLJB. Dabei sieht die KLJB den Fairen Handel aber nicht nur in den Ländern des globalen Südens verortet, sondern fordert eine Ausweitung auf den globalen Norden. „Ungerechtigkeiten sowie Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen machen nicht vor Landesgrenzen Halt“, erklärt Daniel Steiger.

 

Unternehmen als Ganzes in den Blick nehmen

Auch im Bereich der Zertifizierung müsse sich einiges ändern, fordert der Jugendverband. Die jeweiligen Standards müssen klar, nachvollziehbar, umsetzbar und nachhaltig kontrollierbar sein. Es geht dabei nicht darum, sich auf einzelne Produkte zu beschränken, sondern die Unternehmen als Ganzes in den Blick zu nehmen. Die KLJB wünscht sich außerdem, dass vermehrt neue Bereiche wie beispielsweise metallische Rohstoffe in das System aufgenommen werden. Gerade beim Abbau von metallischen Rohstoffen und deren Weiterverarbeitung werden Menschenrechte verletzt und soziale und ökologische Standards nicht eingehalten.

 

Kleinbäuerliche und ökologische Strukturen stärken

Als katholischer Jugendverband, der die Interessen von Jugendlichen in ländlichen Räumen vertritt, fordert die KLJB insbesondere auch, dass (klein)bäuerliche Strukturen weiterhin im Fokus des Fairen Handels stehen müssen. „ProduzentInnen müssen gleichberechtigte und selbstbewusste TeilnehmerInnen am Welthandel sein, die die Möglichkeit haben, eigenverantwortlich zu arbeiten und unabhängig Entscheidungen zu treffen“, erklärt Daniel Steiger. „Bäuerliche Strukturen haben in Nord und Süd stets Vorrang vor industrieller Landwirtschaft.“ Der Verband fordert zudem, dass der Faire Handel ökologischer werden muss. Denn für die KLJB beinhaltet der faire Aspekt nicht nur ein faires Verhalten gegenüber den Menschen, sondern auch Fairness gegenüber der Umwelt und den nachfolgenden Generationen im Sinne der Generationengerechtigkeit. Unternehmen müssen aus diesem Grund die Auswirkungen ihrer Geschäftspraktiken auf die Umwelt transparent und verbindlich offenlegen.

 

Menschenwürdiger Grundlohn und Bildungsauftrag auch im Süden

„Wir fordern die Bezahlung eines menschenwürdigen Grundlohns, der neben fairen Arbeitsbedingungen und Mitteln für Nahrung, Wasser, Wohnraum, Kleidung, Gesundheit, Transport und Bildung die Ausübung des Rechts auf Freizeit und Erholung und die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben sicherstellt“, fasst Daniel Steiger einen wichtigen Punkt des Beschlusses zusammen. „Dieser Grundlohn muss definiert und für alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette garantiert sein. Der Faire Handel muss seinen starken Bildungsauftrag auch im Süden wahrnehmen, um die Menschen dort zu befähigen, kritische Kaufentscheidungen zu treffen und einen Wandel voranzutreiben. ProduzentInnen und ArbeiterInnen vor Ort sollen das Konzept und seine Wirkungsmechanismen kennen.“

 

Ernährungssouveränität ist seit jeher ein Konzept, für das sich die KLJB stark macht. Der Jugendverband macht in seinem Positionspapier zum Fairen Handel deutlich, dass Ernährungssouveränität und Fairer Handel gemeinsam gedacht und umgesetzt werden kann und muss. Denn nur wenn eine Grundernährung gesichert ist, haben die Menschen eine Möglichkeit, ihr unternehmerisches Potential auch im Fairen Handel zu nutzen und selbstbestimmt am Weltmarkt zu agieren.

 

Studienteil zum Fairen Handel

Im Rahmen der Bundesversammlung fand auch ein Studienteil zum Thema Fairer Handel statt. Mit dabei waren Andreas Lackner vom emissionsfreien Transportunternehmen Fairtransport, Wiebke und Jan Goos von Goos Jewellery, einer Goldschmiede, die mit fair gehandeltem Gold arbeitet, Tina Trinks von Fairphone, dem ersten „fairen“ Smartphonehersteller, und Hans Schmeh vom Hagenweilerhof, einem jahrhundertealten Familienbetrieb, der nach Bioland-Richtlinien wirtschaftet. Die ReferentInnen zeigten den Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei eindrucksvoll Nischenmärkte auf und machten die Bedeutung des Fairen Handels in Bezug auf Elektronik, Gold, Transport und Landwirtschaft deutlich. In Workshops und einer anschließenden Podiumsdiskussion verdeutlichten sie, was möglich ist, aber auch, was noch alles im Fairen Handel erreicht werden muss. 

 

Der Beschluss kann hier heruntergeladen werden.

 

 

Bildunterschrift: Diskussionsrunde mit VertreterInnen aus verschiedenen Bereichen des Fairen Handels: v.l.n.r. Wilfried Wunden (Misereor), Hans Schmeh (Hagenweilerhof), Jan und Wiebke Goos (Goos Jewellery), Tina Trinks (Fairphone), Andreas Lackner (Fairtransport) und Anja Müting (Mitglied des Bundesarbeitskreises Internationale Entwicklung der KLJB.) Foto:KLJB

 

 


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