Frage: Wie wollen Sie eine globale Ernährungssicherung gewährleisten und welche Rolle kann darin Ernährungssouveränität spielen?

ANWTORTEN:

 

KLJB

870 Millionen Menschen hungern weltweit. Ca. 75 Prozent davon leben auf dem Land, genau dort, wo Nahrung produziert wird. Ernährungssicherheit allein genügt jedoch nicht, denn dies beinhaltet nur die Versorgung mit Nahrung. Ernährungssouveränität nimmt auch den Zugang zu Ressourcen in den Blick und beschreibt u. a. das Recht aller Nationen, ihre Landwirtschafts- und Ernährungspolitik selbst zu bestimmen. Wir möchten der globalen Herausforderung des weltweiten Hungers mit dem Konzept der Ernährungssouveränität begegnen.

 

CDU/CSU

Der Schlüssel ist die Stärkung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume weltweit. Nötig sind höhere Investitionen in standortangepasste Produktionstechnik, Agrarforschung, Ausbildung und Beratung, politische Stabilität, gesicherte Eigentums- und Nutzungsrechte und faire Handelsbedingungen. Regionale Modelle unterstützen wir ausdrücklich. Negative Auswirkungen von Finanzmarktspekulationen wollen wir durch Transparenz und Eingriffe bei extremen Preisausschlägen verhindern. In der Entwicklungszusammenarbeit setzen wir besonders auf die Verbesserung der Situation der Kleinbauern und der Frauen.

 

SPD

Landwirtschaft ist nach wie vor der wichtigste Wirtschaftssektor vieler Entwicklungsländer und hat eine zentrale Bedeutung für Ernährungssicherheit. Rund 70 Prozent der Armen dieser Welt leben in ländlichen Gebieten und sind ganz oder teilweise von Landwirtschaft abhängig. Der Förderung der ländlichen Entwicklung muss daher Priorität eingeräumt werden.

Um den Hunger zu bekämpfen und Ernährungssicherheit zu verwirklichen, wollen wir alle Möglichkeiten nutzen, um die Spekulation mit Nahrungsmittelpreisen zu verhindern.

Der Agrarsektor zeigt uns aber in besonderem Maße die Grenzen von Wachstum auf, denn Boden und auch Wasser sind endliche Ressourcen. Der Zugang und die gerechte Verteilung dieser knappen Ressourcen sind deswegen mit Blick auf Nahrungssicherheit und Armutsbekämpfung elementar. Nachhaltige Entwicklungspolitik muss insofern eng mit globaler Umweltpolitik verbunden sein.

 

DIE LINKE

Wir unterstützen das Prinzip der Ernährungssouveränität, wollen lokale Märkte schützen und entwickeln und die landwirtschaftliche Produktion nicht immer weiter auf die internationale Vermarktung ausrichten. DIE LINKE setzt sich gegen Landraub und für eine soziale und selbstbestimmte ländliche Entwicklung und die Durchsetzung des Menschenrechts auf Nahrung ein. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen sowie eine gerechte Land- und Ressourcenverteilung müssen ins Zentrum der Förderung rücken, die lokalen Produzentinnen und Produzenten vor Preis-Dumping, Verdrängungswettbewerb und dem Vormarsch der Gentechnik geschützt werden.

Um die Nahrungsmittelkrise wirksam zu bekämpfen und Ernährungssouveränität herzustellen, müssen die Agrarmärkte von den Finanzmärkten getrennt und ein nicht-marktbasierte Verteilungssystem für Nahrungsmittel aufgebaut werden. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass staatliche, international koordinierte und kontrollierte Nahrungsmittelreserven forciert werden, um der Volatilität auf den Agrarmärkten zu begegnen und auf Nahrungskrisen reagieren zu können. Die Preisvolatilität bei Nahrungsmitteln wird auch durch das Vordringen des Biomasse-Anbaus gefördert. Der Import von Kraft- und Brennstoffen aus Biomasse in die Europäische Union muss deshalb verboten werden.

Auf die Länder des Südens darf kein Druck ausgeübt werden, ihre Agrarmärkte zu öffnen. Die Linksfraktion hat sich im Bundestag allen Freihandelsabkommen, die die EU mit Entwicklungs- und Schwellenländern abschließen will, entgegengestellt und in vielen Anträgen Forderungen an eine solidarische Handelspolitik formuliert, die die Ernährungssouveränität und eine selbstbestimmte Entwicklung fördert, anstatt Abhängigkeiten zu verstärken. Die Agrarsubventionen in der EU müssen sozial und ökologisch umgelenkt, die Überkapazitäten europäischer Fischfangflotten abgebaut, Raubfischerei entschieden entgegengetreten werden.

 

FDP

Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht. Dennoch leiden mehr als eine Milliarde Menschen unter Hunger und Unterernährung. Täglich sterben in den Entwicklungsländern Tausende Menschen an den Folgen von Unterernährung – mehr als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Folgerichtig haben wir die Ernährungssicherung, wie im christlich-liberalen Koalitionsvertrag von 2009 vereinbart, zu einem der Schwerpunkte der deutschen Entwicklungspolitik gemacht. Die bäuerliche Landwirtschaft und Fischerei stehen dabei besonders im Mittelpunkt der Zusammenarbeit. Ziel ist es, Kleinbauernfamilien dabei zu unterstützen, Einkommen aus ihrer Tätigkeit zu erzielen und insgesamt die Produktivität zu steigern. Die umfassende Entwicklung der Landwirtschaft ist der wirksamste Ansatz, um Ernährungssicherheit zu schaffen. Entwicklungspolitisch ausgerichtete, nachhaltige Privatinvestitionen in die Landwirtschaft sind durch die Schaffung investitionsförderlicher Rahmenbedingungen zu stärken. Für die Entfaltung privatwirtschaftlicher Initiativen und den Aufbau von Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum ist es notwendig, dass Kleinbauern und Kleinbäuerinnen der Zugang zu Märkten, beruflicher Qualifizierung und Finanzdienstleistungen ermöglicht wird.

Unsere Partnerländer werden darüber hinaus vom FDP-geführten Entwicklungsministerium bei der Umsetzung eigener Strategien zur Ernährungssouveränität und -sicherheit aktiv unterstützt. Der Fokus liegt dabei in der Entwicklung lokaler, nationaler und regionaler Märkte für Nahrungs- und Futtermittel. Die Partnerländer werden bei der Eindämmung illegaler Landnahme unterstützt, der souveräne Zugriff der Entwicklungsländer auf natürliche Ressourcen wird gefördert. Grundsätzlich müssen sämtliche Maßnahmen mit dem Erhalt der natürlichen Produktionsgrundlagen vereinbart werden, um auch in Zukunft die Ernährungssicherheit einer wachsenden Weltbevölkerung zu gewährleisten.

 

Bündnis 90/Die Grünen

Jeder Mensch hat ein Recht auf angemessene Nahrung. Wir streben eine kohärente Strategie an, u. a.: eine ökologische, standortangepasste Landwirtschaft; gezielte Förderung von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, FischerInnen und ViehhirtInnen; Teller vor Trog und Tank; gerechten Handel; soziale Sicherung; Landraub beenden und Nahrungsmittelspekulation eindämmen. Ernährungssouveränität heißt für uns, dass Bauern und Bäuerinnen vor Ort selbst bestimmen, was sie anbauen, und damit vor allem sich und die eigene Bevölkerung ernähren.

 

Piratenpartei

Der Kampf gegen Armut und Hunger kann nur durch eine Wirtschaftspolitik gewonnen werden, die Rücksicht auf Menschen in anderen Nationen nimmt.
Bruttoinlandsprodukt und Wachstumsrate sollen nicht mehr alleinige Orientierungsgrößen sein, da sie nur bedingt mit Wohlstand und Nachhaltigkeit verknüpft sind. Die Wirtschaftspolitik muss sich stattdessen den individuellen Lebensentwürfen der Menschen öffnen. Dafür werden wir die Rechte von Menschen in weniger stark industrialisierten Ländern am Weltmarkt stärken.

 

FREIE WÄHLER

Wir FREIE WÄHLER wollen weltweit die richtige Balance zwischen wettbewerbsstarker Wirtschaft, sozialer Fairness, ökologischer Verantwortung, Bedürfnis nach sinnvoller Arbeit, Wahrung kultureller Eigenheiten und die Möglichkeit eines jeden Landes auf Ernährungssicherheit. Hierfür bedarf es neben internationalen Handelsabkommen auch der Friedensicherung und Stabilität in Krisengebieten. Ernährungssouveränität ist uns dabei wichtig: Wir wollen die flächendeckende und sich vor allem regional vermarktende und durch (klein-)bäuerliche Familienbetriebe strukturierte Landwirtschaft erhalten und fördern, um die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln sicherzustellen und dabei Dumping-Importe zu vermeiden. Wir setzen uns dabei auch für das Ende der Spekulationen mit landwirtschaftlichem Grund und Boden ein.