Frage: Was werden Sie in Regierungsverantwortung unternehmen, um eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Landwirtschaft zu etablieren?

ANTWORTEN:

 

KLJB

Eine nachhaltige Landwirtschaft muss respektvoll mit den natürlichen Lebensgrundlagen umgehen und diese für künftige Generationen erhalten. Zugleich muss die wirtschaftliche und soziale Existenz der LandwirtInnen gesichert sein. Daher setzen wir uns für eine Landwirtschaft der alternativen und vielfältigen Lebens- und Betriebsformen ein. Die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und der Erhalt heimischer Tier- und Pflanzenarten steigert auch die Attraktivität der Regionen. Ein verantwortlicher Umgang mit technischen Neuerungen ist notwendig.

 

CDU/CSU

Unser Leitbild ist die bäuerliche unternehmerische Landwirtschaft, die nachhaltig wirtschaftet, wettbewerbsfähig ist und von den Landwirten und Landwirtinnen und deren Familien vor Ort getragen wird. Dafür setzen wir auf die zukunftsfähige Ausgestaltung der EU-Agrarpolitik mit verlässlichen Direktzahlungen und Agrarumweltprogrammen. Wir fördern besonders Forschung und Investitionen in die Tierhaltung mit dem Ziel des besten Tierschutzes, der im Einklang mit der Praktikabilität für unsere Tierhalter und Tierhalterinnen steht. Zur Stärkung der regionalen Produktion führen wir das „Regionalfenster“ bei der Lebensmittelkennzeichnung ein. Die Förderung der Bioenergie konzentrieren wir immer stärker auf Reststoffe.

 

SPD

Wichtig sind neue Entwicklungsimpulse für unsere ländlichen Räume. Die Mittel müssen wirksamer werden, indem sie eine breitere Palette an wirtschaftlichen Impulsen für den ländlichen Raum fördern: regionale Veredelungswirtschaft, Handwerk, Tourismus, Gesundheitswesen und Dienstleistungen.

Regionalvermarktungsstrategien werden dabei von uns gestärkt. Die Fördermittel müssen dazu beitragen, die immer noch zu hohen Umweltschäden durch Teile der Landwirtschaft, Gewässer- und Luftbelastungen, Artenschwund und Bodenbeeinträchtigungen zu mindern. Mittelfristig treten wir dafür ein, dass die sogenannte „erste Säule“ der pauschalen Agrarsubventionen bis auf einen kleinen Sockelbetrag abgeschmolzen und in die „zweite Säule“ zur Stärkung und Wiederbelebung des ländlichen Raums umgeschichtet wird. Wir wollen eine nachhaltige, bäuerliche Landwirtschaft, die zum Erhalt und zur Entwicklung lebenswerter ländlicher Räume und unserer Kulturlandschaft beiträgt. Regionalvermarktungsstrategien und lokale Wertschöpfung werden dabei von uns gestärkt.

 

DIE LINKE

Für DIE LINKE ist eine sozial-ökologische Ausrichtung der Agrarpolitik von großer Bedeutung. Die Arbeit in der Landwirtschaft muss besser honoriert werden. Das geht z. B. über die Durchsetzung eines bundesweiten Mindestlohns von 10 Euro pro Stunde, zum anderen über gerechte Erzeugerpreise nach dem Motto: faire Preise, faire Löhne. Eine gerechte Einkommensverteilung ermöglicht auch die Bezahlung fairer, kostendeckender Erzeugerpreise. Eine Reihe von Maßnahmen ist dazu denkbar. So gilt es vor allem die Marktpositionen der Bauern und Bäuerinnen in der Lebensmittelkette zu verbessern und zu einer Erzeugung zu kommen, die stärker auf eine regionale Wertschöpfung orientiert ist.

Zudem muss die Ausrichtung der Erzeugung aus unserer Sicht verändert werden: weg vom Mantra der Exportorientierung der deutschen Agrarwirtschaft hin zu einer ökologisch verträglicheren und von der Gesellschaft akzeptierten Wirtschaftsweise. Grünlanderhalt, Erhalt der biologischen Vielfalt in den landwirtschaftlich geprägten Ökosystemen, Gewässer-, Tier- und Ressourcenschutz sowie Beiträge zum Klimaschutz sind wichtige Belange, in denen die Landwirtschaft künftig noch sehr viel stärker gefordert ist als bislang. DIE LINKE fordert eine sehr viel engere Kopplung öffentlicher Gelder aus der europäischen sowie nationalen Agrarförderung an soziale und ökologische Leistungen. Die Direktzahlungen der EU sollen komplett an die Erbringung sozial-ökologischer Leistungen gekoppelt werden. Zudem muss die zweite Säule der EU-Förderung mit einem Ausbau der Agrarumweltprogramme und der ländlichen Entwicklung gestärkt werden.

 

FDP

Wir wollen die Rahmenbedingungen für die konventionelle und ökologische Landwirtschaft weiter durch marktwirtschaftliche Reformen verbessern. Dazu gehört Planungssicherheit für Landwirte und Landwirtinnen durch Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Wir wollen die unternehmerische Landwirtschaft stärken und dafür Regulierung und Bürokratie abbauen. Eine Weiterentwicklung der heimischen Landwirtschaft braucht eine an der Praxis orientierte Agrarforschung und einen verbesserten Wissenstransfer. Die Minderung der Naturbelastung, die Erhöhung der Standards in der Nutztierhaltung und der vermehrte Einsatz nachwachsender Rohstoffe erfordern eine verstärkte Forschung.

 

Bündnis 90/Die Grünen

„Öffentliches Geld für öffentliche Güter“ ist unsere Leitlinie für die EU-Agrarreform und deren Umsetzung in Deutschland. Wir wollen 15 Prozent der Direktzahlungen von der ersten in die zweite Säule umwidmen, um mehr Mittel für Ökolandbau, artgerechte Tierhaltung, Agrarumweltmaßnahmen und ländliche Entwicklung zur Verfügung zu haben.

Die weitere Industrialisierung der Tierhaltung wollen wir mit einem Maßnahmenpaket aus Gesetzesänderungen, Förderprogrammen und Verbraucherinformation stoppen.

 

Piratenpartei

Wir wollen eine regional angepasste Landwirtschaft, an der auch Kleinbetriebe gleichberechtigt teilnehmen, die auch bei nachhaltigem Wirtschaften und ökologischem Verbraucherbewusstsein wettbewerbsfähig ist. Landwirte und Landwirtinnen müssen vernetzt und transparent Bedingungen, Möglichkeiten und deren Umsetzung gemeinsam aushandeln – zusammen mit dem Handel, den Qualitätssiegeln, den Natur- und Tierschutzverbänden, den Politikern und Politikerinnen sowie den Verbrauchern und Verbraucherinnen. Wir streben eine langfristig die Ressourcen schonende Landwirtschaft an.

 

FREIE WÄHLER

Die FREIEN WÄHLER setzen sich für den Erhalt des bäuerlich geführten Familienbetriebs ein. Diesen gilt es entsprechend zu fördern. Bezüglich der Ausgestaltung einer gemeinsamen europäischen Agrarpolitik haben wir uns frühzeitig positioniert und sowohl regionale Programme als auch die Sockelförderung kleiner- und mittelständischer Betriebe gefordert. Überbordende ordnungspolitische Vorgaben und ausufernde gesetzliche Regelungen lehnen wir ab. Wir fordern zudem die gezielte Weiterentwicklung der Marktordnungselemente bei der Gemeinsamen Agrarpolitik und ihren Einsatz dort, wo Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen sind.