Visaverweigerungen verhindern internationale Jugendbegegnung

Geplante Deutschland-Tour mit kenianischen Gästen fällt aus

Rhöndorf, 05.08.2025 Die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) muss das für August geplante internationale Partnerschaftsprojekt Farms & Futures mit ihrer langjährigen Partnerorganisation SACDEP aus Kenia absagen. Der Grund: Nur eine von mehreren eingeladenen Personen aus dem kenianischen Team hat ein Visum für Deutschland erhalten. Alle weiteren Anträge wurden von der deutschen Botschaft abgelehnt – trotz vollständigen Unterlagen, intensiver Vorbereitung und politischer Unterstützung.

„Unsere Partner*innen haben uns 2023 in Kenia mit großer Offenheit empfangen. Umso schmerzlicher ist es, dass wir sie in diesem Jahr nicht in Deutschland begrüßen können“, sagt Frieda Spork, aus dem ehrenamtlichen Vorbereitungsteam des Projekts.„Wir haben über Monate ein vielseitiges Programm für den Fachkräfteaustausch vorbereitet. Es waren Betriebsbesichtigungen, Workshops und Begegnungen mit KLJB-Gruppen an verschiedenen Orten organisiert. Dass das Projekt jetzt an administrativen Hürden scheitert, ist ein bitteres Signal für internationale Jugendarbeit.“

Geplant waren unter anderem Besuche und Austauschformate im Rheinland, Ostwestfalen, an der Nordseeküste und im Allgäu. Dort hätten die kenianischen Teilnehmenden Einblicke in landwirtschaftliche Betriebe, Bildungsprojekte zu Klimawandel und Landwirtschaft, und das Leben ländlicher Jugendlicher in Deutschland erhalten – im direkten Austausch mit jungen Engagierten der KLJB. Die KLJB hatte sich in enger Abstimmung mit der kenianischen Partnerorganisation SACDEP intensiv um die Einreise der Gäste bemüht: Neben dem regulären Antragsverfahren und Remonstrationsverfahren gab es Kontakt zur Botschaft sowie Unterstützung durch mehrere Bundestagsabgeordnete. Als offizieller Ablehnungsgrund wurden „nicht ausreichende Rückkehrgründe“ genannt – eine Begründung, die regelmäßig verwendet wird, aber weder transparent noch überprüfbar ist.

Visa-Ungerechtigkeit verhindert internationale Jugendarbeit auf Augenhöhe

„Was uns besonders frustriert: Es ist nicht nachvollziehbar, welche Nachweise für eine sogenannte ‚Rückkehrbereitschaft‘ hätten erbracht werden müssen“, erklärt Judith Böckle, Bundesvorsitzende der KLJB. „Für uns als Jugendverband bedeutet das nicht nur enttäuschte Erwartungen, sondern auch den Verlust monatelanger Arbeit und erheblicher Ressourcen.“

Die KLJB sieht in dem aktuellen Fall kein Einzelproblem, sondern ein strukturelles Muster. Immer häufiger werden Visaanträge im Kontext internationaler Jugendbegegnung – insbesondere aus Ländern des Globalen Südens – abgelehnt. Der Verband fordert deshalb mehr Transparenz in den Verfahren und eine politische Auseinandersetzung mit der strukturellen Visa-Ungleichheit. „Internationale Begegnung lebt von Gegenseitigkeit. Wenn junge Menschen aus Deutschland reisen können, ihre Partner*innen aber systematisch an der Einreise gehindert werden, wird aus Partnerschaft schnell Einbahnstraße“, so Judith Böckle. Die KLJB kündigt an, das Thema Visa(un)gerechtigkeit verbandlich und politisch weiter zu bearbeiten.

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