Europawahl 2019: Frage 39

Durch welche Maßnahmen möchten Sie Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Ausländerhass, Intoleranz und Diskriminierung entgegenwirken?

 

“Die KLJB wendet sich ganz klar gegen jede Form von Extremismus. Praktisch erfahrbar wird diese Haltung vor allem im Kooperationsprojekt mit dem BDAJ „Tacheles! Klare Kante gegen Extremismus“, das einen interreligiösen und interkulturellen Dialog ermöglicht.”

(s. KLJB-Beschluss 2016: „Aufstehen, aufeinander zugehen! Wie uns der Austausch zwischen Religionen und Kulturen bereichern kann“)

 

Antworten der Parteien

 

  • Seit 20 Jahren dauern die Verhandlungen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay) an. Im vergangenen Juni wurde eine politische Verständigung erzielt. Seither wird an der Erarbeitung eines unterzeichnungsreifen Vertrags gearbeitet.

    Doch die Mehrheit der Bürger*innen lehnt das Abkommen ab. Die Parlamente der EU-Mitgliedstaaten Frankreich, Belgien, Irland und Niederlande haben deutliche Kritik geäußert, die österreichische Regierung will das Abkommen in der jetzigen Form nicht unterzeichnen. Denn kaum ein Abkommen ist so sehr dem Denken und politischen Handeln der Vergangenheit verpflichtet wie das EU-Mercosur-Abkommen.

     

    Foto: Netzwerk Gerechter Welthandel

     

    Das EU-Mercosur-Abkommen steht für

    • die Verhinderung von existenzsichernden landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen in den Mercosur- und EU-Staaten durch eine exportorientierte Agrarpolitik, sowie die Unterminierung von Tierwohl und lokaler Lebensmittelerzeugung. Mehr Tierwohl in Deutschland kostet die Bauernhöfe Geld und gleichzeitig sollen sie mit billigen Fleischimporten aus den Mercosur-Ländern konkurrieren. In den Mercosur-Ländern verstärken die steigenden Fleischexporte und zunehmender Soja- und Zuckerrohranbau (Biokraftstoffe) die Zerstörung der Umwelt und führen zu mehr Gentechnik- und Pestizideinsatz sowie zur Gewässerverschmutzung.
    • die Verschärfung der Klimakrise. Das Abkommen treibt die Abholzung des Amazonasregenwaldes, des Cerrados und der Trockenwälder des Chaco weiter voran, die eine essentielle Bedeutung für die Stabilisierung des Weltklimas und für die biologische Vielfalt haben. Zudem dient es der Absatzförderung für besonders klimaschädliche Autos.
    • die Zunahme von Menschenrechtsverletzungen, wie die Vertreibung von Kleinbauern und -bäuerinnen sowie Indigenen von ihrem Land. Insbesondere unter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro sind Menschenrechtsverletzungen gegen Minderheiten und Oppositionelle sowie die Beschneidung von Arbeitnehmer*innenrechten an der Tagesordnung. Durch den Abschluss eines Handelsabkommens belohnt die EU diese Politik und widerspricht ihren eigenen demokratischen Werten.

    Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die immer weiter fortschreitende ungesteuerte Globalisierung nicht zu einer gerechten und ökologischen Weltwirtschaft führt. Die EU sollte zukünftig ihre handelspolitischen Ambitionen darauf konzentrieren, ökologisch, sozial, menschenrechtlich und entwicklungspolitisch kohärente, multilaterale Handelsbeziehungen mitzugestalten.

    Nicht, dass wir weniger Kooperation mit Südamerika bräuchten – wir brauchen sogar mehr: für die Bekämpfung von Hunger und Armut, für Klimaschutz, für die Durchsetzung der ILO-Kernarbeitsnormen und der Menschenrechte. Das geplante Abkommen der EU mit dem Mercosur geht jedoch genau in die falsche Richtung.

    Wir fordern deshalb Bundesregierung und EU-Kommission auf: Kein „Weiter So“! Stoppen Sie die Arbeit an dem aktuellen Handelsabkommen der EU mit dem Mercosur.

     

    Foto: Netzwerk Gerechter Welthandel

     

    Unterzeichnende Organisationen:

    • Agrar Koordination
    • Aktion 3.Welt Saar e.V.
    • Aktion Agrar
    • Aktionsgemeinschaft solidarische Welt (ASW)
    • Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e.V.
    • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
    • Attac
    • Berliner Wassertisch
    • Biokreis e.V.
    • Bischöfliche Aktion Adveniat e.V.
    • Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V.
    • Bloque Latinoamericano Berlín
    • Brot für die Welt
    • Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)
    • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
    • Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW)
    • Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e. V.
    • Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V.
    • Campact
    • Caritas international
    • Christliche Initiative Romero (CIR)
    • Deutsche Umwelthilfe e.V.
    • Deutscher Naturschutzring (DNR)
    • Eine Welt Forum Freiburg e.V.
    • FIAN Deutschland
    • Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL)
    • Forum Fairer Handel
    • Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung e.V. – FUgE
    • Forum Umwelt und Entwicklung
    • Gemeinsam gegen die Tierindustrie
    • Gen-ethisches Netzwerk e.V. (GeN)
    • Gesellschaft für bedrohte Völker
    • Greenpeace
    • Informationsstelle Lateinamerika – ila (Bonn)
    • Informationsstelle Peru
    • Inkota-netzwerk
    • Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB)
    • Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) e.V.
    • Kooperation Brasilien (KoBra)
    • Medico International e.V.
    • NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.
    • NaturFreunde Deutschlands e.V.
    • Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.
    • Netzwerk Energie-Hunger – Nein Danke
    • Netzwerk Gerechter Welthandel
    • OroVerde – Die Tropenwaldstiftung
    • Oxfam Deutschland
    • Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN)
    • POEMA e.V.
    • PowerShift
    • PROVIEH e.V.
    • Regenwald Institut e.V.
    • ROBIN WOOD e.V.
    • Slow Food
    • SumOfUs
    • terre des hommes Deutschland e.V.
    • Umweltinstitut München e.V.
    • Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO)
    • Weltladen-Dachverband e.V.
    • Wir haben es satt!-Bündnis

    Literaturhinweise

    „EU-Mercosur-Abkommen: Risiken für Klimaschutz und Menschenrechte“. Herausgegeben von Misereor e.V., Greenpeace e.V. und Dreikönigsaktion – Hilfswerk der Katholischen Jungschar (DKA), Autor: Thomas Fritz (Juni 2020). www.greenpeace.de/presse/publikationen/risiken-fur-klimaschutz-und-menschenrechte

    „Analyse des Abkommens zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur“. Herausgegeben von Anna Cavazzini MEP, Die Grünen/EFA und PowerShift e.V., Autor*innen: Dr. Luciana Ghiotto und Dr. Javier Echaide (Januar 2020). www.power-shift.de/neue-studie-eu-mercosur-abkommen-brandbeschleuniger-der-klimakrise/

    „Angriff auf Klimaschutz und Menschenrechte: Die Folgen des EU Assoziierungsabkommens mit dem Mercosur für Mensch und Umwelt“. Herausgegeben von AbL, Attac, Brot für die Welt, BUND, Campact, FDCL, Forum Umwelt und Entwicklung, NaturFreunde und PowerShift (September 2019). www.power-shift.de/wp-content/uploads/2019/09/Angriff-auf-Klimaschutz-und-Menschenrechte-webversion-final-16.09.2019.pdf

    Hinweise zu weiteren Publikationen: www.gerechter-welthandel.org/material/mercosur/

    Downloads

     

     

  • Viele Diözesan- und Landesverbände sind sich gerade unsicher, wie wir als KLJB am besten auf die Herausforderungen durch Corona reagieren sollen. Nach Rücksprache mit dem BDKJ und dem DBJR und nach intensivem Verfolgen der Situationsanalysen durch die staatlichen Stellen haben wir einige Vorkehrungen für die KLJB-Bundesebene getroffen. Darüber hinaus möchten wir euch einige Informationen und Handlungsempfehlungen für eure Ebenen zukommen lassen. Wichtig ist grundsätzlich, die weitere Verbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen – dazu sind wir jetzt alle gefordert. Wir möchten betonen, dass wir alle in der Jugendarbeit sicherlich nicht zur Hauptrisikogruppe gehören. Allerdings können auch junge Menschen das Virus – oftmals symptomfrei – in sich tragen und übertragen. Hier müssen wir solidarisch sein mit den Älteren in unserer Gesellschaft sowie mit anderen Risikogruppen wie chronisch Kranken und jegliche soziale Kontakte weiterhin reduzieren.

     

    Handlungsempfehlungen für die KLJB

     

    1. Informationen und Handlungsempfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert-Koch-Instituts verfolgen

    Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit täglich neue Information zur aktuellen Situation. Auf den jeweiligen Webseiten sind grundsätzliche Informationen zu Covid-19 ebenso veröffentlicht wie Verhaltensregeln, Informationen über Risikogebiete und Updates zur Gefährdungslage. Da sich die Situation noch immer kurzfristig verändert, bitte wir euch, aufmerksam für die jeweils aktuell geltenden Handlungsempfehlungen zu sein.

    2. Kontakt halten

    Wir empfehlen euch, regelmäßig mit den zuständigen Stellen eures BDKJ-Diözesanverbands, eurer (Erz-)Bistümern sowie der Landesjugendringe über die Situation und etwaige Maßnahmen in eurer Region Kontakt zu halten. Von Bundesebene steht Stephan Barthelme als Hauptansprechpartner zur aktuellen Situation zur Verfügung, aber auch alle anderen Mitglieder des Bundesvorstands könnt ihr über die euch bekannten Kommunikationswege kontaktieren.

    3. WICHTIG: Größere Veranstaltungen absagen oder verschieben

    Wir empfehlen euch, alle größeren Veranstaltungen mindestens bis zum 31. August 2020 abzusagen oder zu verschieben. Gremien in kleinerer Runde wie Vorstandssitzungen, Tagungen des Diözesanausschusses, Arbeitskreistreffen oder auch kleinere Ferienangebote können wieder stattfinden. Achtet bitte auf die jeweiligen Vorgaben der Bundes- und Landesregierung und natürlich auf die Einhaltung des Mindestabstands.

    Nutzt gerne auch weiterhin die digitalen Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

    4. Betrieb in den Diözesan- und Landesstellen umstrukturieren

    Auch diesbezüglich ist es – je nach den jeweiligen Strukturen vor Ort – wichtig, sich mit den entsprechenden Stellen im BDKJ, im Bischöflichen Jugendamt oder in der Diözese auszutauschen. Die ergriffenen Maßnahmen sollen einerseits die Mitarbeiter*innen schützen, aber dennoch eine Erreichbarkeit gerade für Fragen der Ortsgruppen sicherstellen.

     

    Informationen zur Arbeit der KLJB-Bundesebene

     

    Erreichbarkeit der Bundesstelle

    Der Betrieb der Bundesstelle wird weiterhin aufrechterhalten, allerdings mit folgenden Veränderungen: Die Mitarbeiter*innen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, werden noch bis zum 31. August primär im Homeoffice arbeiten. Das heißt, es werden weiterhin alle per E-Mail oder über Slack erreichbar sein. Alle Mitarbeiter*innen, die nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, werden weiterhin an der Bundesstelle arbeiten. Die zentrale Telefonnummer der KLJB-Bundesstelle ist weiterhin erreichbar. Diesbezügliche Änderungen werden wir an euch kommunizieren. Die Referent*innen erreicht ihr aktuell per E-Mail oder über Slack. Den Bundesvorstand erreicht ihr über Diensthandy, E-Mail und Slack.

     

    Veranstaltungen

    Alle Veranstaltungen und Gremiensitzungen werden bis zum 31. August  2020 vorzugsweise digital durchgeführt.

     

    Dienstreisen

    Bis zum 31. August 2020 werden Dienstreisen der Mitarbeiter*innen der KLJB-Bundesstelle möglichst reduziert durchgeführt.

     

    Wir stehen euch natürlich jederzeit für Fragen zur Verfügung und möchten euch bitten, auch in euren Strukturen angemessen und besonnen zu handeln.

    Euer Bundesvorstand

  • Die KLJB ist erneut Teil des offiziellen Unterstützer*innenkreises des nächsten weltweiten Klimastreiks am 24. April 2020. Bedingt durch das Corona-Virus findet der Klimastreik als #NetzstreikFürsKlima digital statt. Die aktuelle Krisensituation zeigt sehr deutlich, wie eng Mensch, Natur und Tier verbunden sind und dass ein sorgsamer Umgang mit der Schöpfung und unserem Planeten zentral sind. Der Klimawandel schreitet derweil weiter voran und braucht bewusste politische Entscheidungen. Deshalb ist gerade jetzt ein weiterer Einsatz für entschiedenen Klimaschutz wichtig.

    Wie gestaltet sich ein digitaler Klimastreik?

    Da ein weiterer großer Klimastreik auf den Straßen durch das Corona-Virus derzeit nicht möglich ist, soll online ein deutliches Zeichen gesetzt werden. Hierzu bestehen folgende drei Möglichkeiten, sich aktiv am Streik zu beteiligen:

    1. In Streikendenkarte eintragen

    Menschenmassen auf der Straße kann es aktuell nicht geben. Eine Teilnahme am Klimastreik kann aber mit der Streikendenkarte auf www.klima-streik.org sichtbar gemacht werden. Bereits jetzt kann hier per Eintrag die Teilnahme als Zeichen der Unterstützung des Streiks am Freitag hinterlegt werden!

    1. Demoschilder basteln und Bilder hochladen

    Die Streikendenkarte bietet zudem Raum für Forderungen. Jede*r kann dazu ein Streikschild basteln und dieses fotografieren. Die selbstgemalten Schilder können mit dem Eintrag der Teilnahme in die Streikendenkarte hochgeladen werden. So kann in der Online-Welt gezeigt werden, worauf es jetzt in der Klimapolitik ankommt.

    1. Mitmachen beim großen Livestream am 24. April 2020 ab 12.00 Uhr

    Von 12.00 bis 22.00 Uhr gibt es am Freitag einen Livestream mit großem Online-Demo-Programm auf folgender Webseite und diesem Youtube-Kanal.

    Musik, Promi-Livestreams, Mitmach-Aktionen und Beiträge von Aktivist*innen aus aller Welt sind geboten. Die Aktiven arbeiten unter Hochdruck an einem vielfaltigen und inspirierenden Programm für den #NetzstreikFürsKlima. Dass ein Livestream viele Ressourcen benötigt, ist uns bewusst. Dennoch ist es gerade jetzt wichtig, weiter entschieden politische Zeichen für mehr Klimaschutz zu setzen. Die verschiedenen Beteiligungsformate bieten dabei ein Angebot, dass jede*r so nutzen und wahrnehmen kann, wie sie*er möchte.

    Der Klimastreik richtet sich somit auch an eine Zeit nach Corona und dass das neue „Normal“ den Weg in eine klimagerechte Zukunft ebnet.

    #NetzstreikFürsKlima #FightEveryCrisis #ClimateStrikeOnline #UniteBehindScience2404

  • „Politiker*innen und Medien in Deutschland konzentrieren sich derzeit auf das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19). Doch auch an den europäischen Außengrenzen und insbesondere auf der griechischen Insel Lesbos ist die Lage für Geflüchtete prekär. In diesen Zeiten brauchen wir eine solidarische  europäische Lösung um Menschenleben zu retten, Menschenrechte zu achten und einzelne Staaten nicht zu überlasten“, meint Stephan Barthelme, Bundesvorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung.

    Deshalb fordert die Bundesversammlung der KLJB bereits 2019:

    • die Ausweitung des Schengener Besitzstandes auf alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union
    • einen solidarischen Neuanfang und eine grundlegende Neuausrichtung der europäischen Migrations-, Asyl- und Flüchtlingspolitik, bei der die Dublin-Regelungen abgeschafft und durch ein gemeinsames und einheitliches sowie faires und transparentes Asylverfahren mit festen Aufnahmequoten und einem solidarischen Ausgleich innerhalb der Europäischen Union ersetzt werden,
    • Geflüchteten eine sichere und legale Einreise in die EU (z.B. durch „Humanitäre Visa“ oder „Resettlement“-Programme) zu ermöglichen, ihnen einen fairen Zugang zum Asylsystem der Europäischen Union zu gewährleisten und die Praxis der illegalen Zurückweisung10 zu beenden, da auf diese Weise Geflüchtete kriminalisiert und in die Hände von Schlepperbanden getrieben werden und durch die Flucht in Lebensgefahr gebracht werden sowie
    • rechtliche und praktikable Möglichkeiten zu schaffen, damit Geflüchtete auch in den Herkunfts- und Transitländern Asylanträge für die EU stellen können.

    Dialogpapier „In Zukunft nur gemeinsam! – Unsere Vision von einem geeinten Europa“

     

    Erik Marquardt berichtet von Lesbos

    Der Europaabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Erik Marquardt, ist seit einigen Wochen als parlamentarischer Beobachter auf der griechischen Insel Lesbos und hat uns einige Fragen beantwortet:

    Wie ist die Lage der Geflüchteten auf Lesbos und an der griechisch-türkischen Grenze?

    Die Lage auf Lesbos ist derzeit absolut unzumutbar. Allein in Moria auf Lesbos werden knapp 20.000 Menschen in ein Lager für eigentlich nur 3.000 Personen gesteckt. Es ist absurd, wenn wir in ganz Europa Kontaktverbote erlassen, aber auf Lesbos 20.000 Menschen in ein Lager eingepfercht werden, in dem es nur einen Wasserhahn pro 1.300 Menschen gibt. Das Virus unterscheidet nicht nach Hautfarbe, Religion oder Geschlecht. Deswegen müssen wir jetzt zusammenstehen und gemeinsam gegen eine Verbreitung des Virus kämpfen. Die wichtigen Quarantäne- und Schutzmaßnahmen im Kampf gegen das Virus müssen überall durchgeführt werden, um eine ungebremste Verbreitung zu verhindern, auch in Flüchtlingslagern. Es ist auch wichtig, dass das Asylrecht in der Corona-Krise nicht einfach abgeschafft wird.
    An der griechisch-türkischen Grenze wurden rechtsstaatliche Verfahren einfach ausgesetzt und es wurde auf Menschen geschossen. Griechenland hat dann das Recht auf Asyl außer Kraft gesetzt. Wir leben gerade in einer sehr schwierigen Zeit, in der viele versucht sein könnten, Grundrechte außer Kraft zu setzen und genau das gilt es jetzt zu verhindern. Sonst könnte es auch anderen Staaten wie Ungarn ergehen und die Bevölkerung wacht morgens auf und merkt plötzlich, dass sie in einem Land lebt, in der gerade das gewählte Parlament entmachtet wurde.

    Wie verhält sich die Zivilgesellschaft auf Lesbos und hat sich in den letzten Monaten etwas am Verhalten verändert?

    In den vergangenen Jahren haben viele Menschen auf Lesbos den Geflüchteten geholfen, obwohl sie von Europa allein gelassen wurden. Mit ihrer humanitären Leistung haben die Menschen auf Lesbos den Friedensnobelpreis mehr verdient als die EU in den letzten Wochen. Aber nachdem die Bewohner*innen auf Lesbos über vier Jahre im Stich gelassen wurden, sind bei vielen langsam auch die Grenzen der Solidarität erreicht.

    Inwieweit werden Geflüchtete als Spielball der Politik genutzt?

    Es gibt in der Europäischen Union leider Regierungschefs, die nicht an einer konstruktiven Lösung für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts interessiert sind. Wir können in der EU nicht einfach sagen, dass wir die Grenzen dicht machen und keine Geflüchteten mehr rein lassen. Wir sehen gerade jetzt, zu was für Problemen die Grenzschließungen führen.
    Leider bauen Politiker*innen wie Sebastian Kurz oder Viktor Orbán ihre politische Karriere teilweise darauf auf, solche Versprechungen zu geben und verhindern später aktiv konstruktive gesamteuropäische Lösungen. Es ist schlimm, wenn Politiker*innen die Würde und die Rechte von Menschen auf der Flucht in Frage stellen, um damit politische Kampagnen zu machen.

    Weshalb sind Rechtsradikale nach Lesbos gereist und was tun sie dort?

    An manchen Tagen kamen mehr Rechtsradikale als Geflüchtete auf Lesbos an. Man kann sich das von außen wahrscheinlich nur schwer vorstellen. Rechtsextreme in ganz Europa haben mobilisiert und eine pogromartige Stimmung verbreitet. Hier standen Nazis mit Eisenketten an den Straßenecken und haben patrouilliert, während die Polizei einfach danebenstand. Die Polizei kam auch dann nicht, wenn man sie rief. Faschisten eroberten sich auf Lesbos die Straßen und die Deutungshoheit. Der griechische Rechtsstaat hat da leider komplett versagt.

    Was sollten die EU und ihre Mitgliedsländer tun, um die Situation zu verbessern?

    Das große Ziel ist ein solidarisches gemeinsames europäisches Asylsystem, in dem die Würde und die Rechte von Menschen auf der Flucht in den Fokus gerückt werden. Aber jetzt ist es erstmal akut, die überfüllten Lager zu evakuieren und die Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie in Sicherheit zu bringen.

    Was können Menschen in Deutschland unternehmen, um eine Veränderung zu bewirken?

    Wir müssen öffentlichen Druck aufbauen, damit die Rechtstaatlichkeit wiederhergestellt wird und die griechischen Inseln substanziell evakuiert werden. Dafür habe ich die Kampagne #leavenoonebehind mit ins Leben gerufen, die von vielen Menschen in Deutschland und ganz Europa unterstützt wird.

    Mehr Informationen zur Kampagne #leavenoonebehind sowie die Möglichkeit zur Petitionsunterzeichnung gibt es auf https://leavenoonebehind2020.org/
    Weiterreichende Forderungen und Beweggründe der KLJB gibt es hier.

     

    Überblick über die Migrations- und Geflüchtetenpolitik der EU

    Seit 2015 werden vermehrt Geflüchtete in Griechenland aufgenommen. Nach dem Dublin-Abkommen können Geflüchtete nur in dem Land der Europäischen Union Asyl beantragen, in dem sie das erste Mal europäischen Boden betreten haben. Dies bedeutet eine besondere Belastung für Länder an den europäischen Außengrenzen. Die Insel Lesbos liegt nur wenige Kilometer vor der türkischen Küste und bietet so einen kurzen, jedoch noch immer nicht ungefährlichen Weg zu einem europäischen Mitgliedsstaat. Besonders frequentiert ist diese Route seit die Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei abgeriegelt wurde. Das EU-Türkei-Abkommen aus 2016 sollte gegen Ausgleichszahlungen dafür sorgen, dass Geflüchtete in der Türkei aufgenommen werden und nicht mehr den Weg in die EU suchen. Derzeit findet ein Machtkampf zwischen der EU und der Türkei statt. Spielball sind hier Geflüchtete, die nicht mehr an der Ausreise in der Türkei gehindert werden und nach unterschiedlichen Medienberichten dabei unterstützt werden. Eine realistische Einschätzung der Situation in den Grenzregionen ist kaum möglich, da Journalisten von beiden Seiten der Zugang verwehrt wird und die jeweiligen Staaten ihre Berichterstattung für die eigene Position nutzen. Nach EU-Recht hat jeder Mensch das Recht auf ein Asylverfahren (Verbot von Kollektivausweisung) unabhängig davon, ob dieses positiv oder negativ ausfällt. Anfang des Jahres revidierte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR – Institution des Europarats) sein Urteil aus 2017 und beurteilt sogenannte „Pushbacks“ (staatliche Maßnahme zur gesammelten Ausweisung von Geflüchteten und Migrant*innen) als rechtmäßig.

    Die griechische Situation

    Griechenland steht aktuell vor einer Vielzahl von Problemen. Der griechische Staat und die Volkswirtschaft erholen sich noch immer von einer lang anhaltenden Finanzkrise und deren Folgen. Entscheidend ist der daraus resultierende Sparkurs der griechischen Regierung, welcher besonders Kürzungen im Sozial- und Gesundheitswesen mit sich brachte. Dieser Kurs wurde durch die Europäische Zentralbank und andere europäische Länder stark beeinflusst. Gleichzeitig nahm die Kaufkraft der Bevölkerung drastisch ab. Auch auf Lesbos nimmt der Frust bei einigen Anwohner*innen nach sehr langer Geduld und Solidarität zu. Tourismus bleibt aus, alltägliche Produkte werden teurer, Verdienstmöglichkeiten werden knapper und Unterstützung, insbesondere finanzielle Entschädigungen für die Bewohner der Insel bleibt aus. Gleichzeitig steigen die Belastungen weiterhin. Durch Einsparungen und ein überlastetes System können die Asylanträge nicht schnell bearbeitet werden und die Lager auf der Insel Lesbos sind völlig überfüllt.  Auch bei diesen schwierigen Voraussetzungen ist das Handeln der griechischen Regierung in Bezug auf ihre Flüchtlingspolitik sehr kritisch zu sehen, da Rechte der Asylsuchenden beschnitten werden und die Bedingungen in Moria nicht zu rechtfertigen sind.

     

    Weiterführende Informationen

    Hier findet ihr einige Podcasts, Artikel und Reportagen um euch weiter zum Thema zu informieren.

    Entwicklungsminister Müller prangert die Situation im Flüchtlingslager Moria an:  https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-gerd-mueller-fluechtlingslager-lesbos-100.html

    EU-Innenkommissarin Ylva Johannson im Interview mit der Süddeutschen zur griechischen Asylpolitik und der Notwendigkeit einer europäischen Lösung: https://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlinge-griechenland-eu-kommission-johansson-1.4841682

    Statement des Verbands Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe (VENRO) zum Flüchtlingsschutz und humanitären Völkerrecht: https://venro.org/presse/detail/fluechtlingsschutz-und-humanitaeres-voelkerrecht-duerfen-nicht-ausgesetzt-werden

    Interviews und Hintergrundwissen zur aktuellen Flüchtlingssituation gibt es in den Folgen 176, 177, 179 und 180 des Podcasts „Lager der Nation“ von Philip Banse und Ulf Buermeyer. https://www.kuechenstud.io/lagedernation/

    Nico Schmolke vom Y-Kollektiv versucht in seiner Reportage herauszufinden, woher der Frust der Bewohner*innen der Insel Lesbos kommt. Dabei trifft er auf Bewohner*innen, Geflüchtete, Politiker*innen und gibt einen Einblick in die Arbeit der Journalisten vor Ort: https://www.youtube.com/watch?v=JkGdA-aDloQ

    Die Deutsche Welle zeigt in einem kurzen Beitrag die Grundproblematik auf der Insel Lesbos: https://www.youtube.com/watch?v=3K34lnjs4XU

    Artikel zur aktuellen Lage und deren Hintergrundinformationen im Handelsblatt und der Zeit: https://www.handelsblatt.com/politik/international/fluechtlingsinsel-lesbos-staerker-als-so-manche-grosse-eu-nation/13308048.html

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/lesbos-fluechtlingslager-moria-griechenland-gefluechtete

    Artikel der Süddeutschen und des Deutschlandfunks zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (GMR) zu sogenannten „Pushbacks“ an EU-Außengrenzen

    https://www.sueddeutsche.de/politik/egmr-spanien-marokko-fluechtlinge-1.4796313

    https://www.deutschlandfunk.de/push-backs-grundsatzurteil-erlaubt-direkte-abschiebung-nach.795.de.html?dram:article_id=470218

    Einschätzung von Pro Asyl zum Urteil des EGMR: https://www.proasyl.de/news/paukenschlag-aus-strassburg-egmr-macht-rueckzieher-beim-schutz-von-menschenrechten-an-der-grenze/

  • Neuerscheinung zu den Themen Regionalentwicklung und Jugendbeteiligung

    Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) hat in Zusammenarbeit mit der Akademie Junges Land und der Katholischen Hochschule NRW die Neuerscheinung „Jugendarbeit in ländlichen Regionen – Regionalentwicklung als Chance für ein neues Profil“ herausgegeben. Darin wird versucht, Antworten auf den gesellschaftlichen Wandel in ländlichen Räumen zu geben, wobei insbesondere die Jugend miteingebunden werden soll.

    Um Impulse für ein neues Profil der Jugendarbeit in ländlichen Regionen zu setzen, werden in der Veröffentlichung praxisnahe, lokale Themen aus Wirtschaft, Politik und Kultur aufgegriffen. Junge Menschen können gleichzeitig eine problemorientierte Herangehensweise und demokratische Teilhabe üben, wenn sie die konkreten Herausforderungen ihrer Region erkennen und Lösungsstrategien dazu entwickeln. „Nehmen Akteur*innen der Regionalentwicklung diesen Beitrag mit ernstgemeintem Interesse an, kann die Region wiederum von der Innovationskraft, Kreativität und Energie junger Menschen profitieren“, so die Einschätzung der KLJB-Bundesvorsitzenden Sarah Schulte-Döinghaus.

    Kooperation verschiedener Expert*innen

    Der Sammelband unter Mitwirkung von insgesamt 42 Autor*innen ist aus einer langjährigen Zusammenarbeit der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn (Fachbereich Sozialwesen) mit der bundesweit tätigen Akademie Junges Land e.V. hervorgegangen. Die Akademie Junges Land ist die mobile Bildungseinrichtung der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands und arbeitet zu den Schwerpunkten ländliche Entwicklung, politische Bildung und Jugendbeteiligung. Sie hat seit mehreren Jahren Erfahrungen durch die Durchführung von Sozialraumanalysen in unterschiedlichen Regionen der Bundesrepublik gesammelt.

    Buchvorstellung in Berlin

    Die Herausgeber*innen Prof. Joachim Faulde, Florian Grünhäuser und Sarah Schulte-Döinghaus präsentierten den Sammelband im Rahmen des Zukunftsforums Ländliche Entwicklung Mitte Januar 2020 in Berlin. „Die Resonanz auf die Veröffentlichung  war überwältigend“, fasst Sarah Schulte-Döinghaus die ersten Reaktionen zusammen. „Bereits nach kurzer Zeit stieß das Buch auf großes Interesse, nicht zuletzt wegen der Vielfalt der aufgegriffenen Themen und der praxistauglichen Formate gelungener Jugendbeteiligung. Als Herausgeber*innen hoffen wir, dass mithilfe des Sammelbands vielen Akteur*innen deutlich gemacht werden kann, dass Jugendbeteiligung keine lästige Pflicht, sondern eine Chance für die Entwicklung ländlicher Regionen ist.“

    Informationen zur Neuerscheinung:

    Joachim Faulde, Florian Grünhäuser, Sarah Schulte-Döinghaus (Hg.): Jugendarbeit in ländlichen Regionen – Regionalentwicklung als Chance für ein neues Profil. 2020. 256 Seiten broschiert, 29,95 Euro, ISBN 978-3-7799-6024-9, erhältlich auch als E-Book.

    Download

  • Aufruf an alle KLJB-Mitglieder in Deutschland

    Die aktuelle Situation stellt uns alle derzeit vor große Herausforderungen: Gerade um ältere Menschen und andere Risikogruppen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, ist es wichtig, dass wir alle unsere sozialen Kontakte am besten vollständig einstellen: Schulen und Unis sind geschlossen, Firmen haben den Betrieb eingestellt und das Vereinsleben ist derzeit nicht möglich – auch wir in der KLJB haben alle Veranstaltungen und Sitzungen auf allen Ebenen bis zum 19. April 2020 abgesagt.

    Das bietet aber auch eine große Chance für solidarisches Handeln in unserer Gesellschaft, denn viele KLJBler*innen sind zurzeit zu Hause und haben vor allem eines: Ganz viel Zeit! Um Senior*innen oder Menschen mit Vorerkrankungen zu schützen und zu unterstützen, können wir als KLJB ein Zeichen setzen, indem wir insbesondere die Einkäufe für die Menschen in unserem Dorf übernehmen, für die Einkaufen gerade zu gefährlich wäre.

    Wir als KLJB können uns in dieser besonderen Situation also solidarisch zeigen und anderen unsere Hilfe anbieten – über die sozialen Medien, über Messenger-Gruppen, über Briefkasten-Flyer, über Aushänge oder durch Weitersagen im Dorf. Einkaufen, Gassi gehen mit dem Hund, Post- und Apothekengänge, Organisieren von Arztbesuchen – jetzt können wir wirklich das Land bewegen!

    Wenn ihr als Ortsgruppe das Anliegen unterstützen und in eurem Dorf eure Hilfe anbieten möchtet, dann teilt gerne diesen Beitrag. Wichtig ist, dass ihr als Ortsgruppe die Nachbarschaftshilfe natürlich gemeinsam koordinieren könnt, beispielsweise über die sozialen Netzwerke oder Messengerdienste, dass die Einkäufe selbst dann aber immer nur von einzelnen KLJB-Mitgliedern übernommen werden, um das gegenseitige Ansteckungsrisiko zu minimieren. Außerdem solltet ihr bei Einkäufen die Übergabe der Waren und des Geldes kontaktlos organisieren (z. B. nach Vereinbarung Abstellen der Einkaufstüten vor der Haustür), um das Infektionsrisiko zu verringern. Achtet auch darauf, ggfs. eure Gemeinde zu informieren bzw. Kontakt mit dem Ordnungsamt aufzunehmen. Falls ihr Versicherungsfragen habt, nehmt am besten Kontakt zu eurer Diözesanstelle auf, da das in den unterschiedlichen Diözesanverbänden unterschiedlich geregelt sein kann.

    Gemeinsam meistern wir auch diese Herausforderung!
    Gemeinsam bewegen wir das Land!

  • KLJB-Bundesversammlung fordert deutliche Reduktion von Kunststoffen

    Rhöndorf, 12. März 2020. Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) hat im Rahmen ihrer Bundesversammlung ein deutliches Zeichen für die Reduktion und eine bewusste Verwendung von Kunststoffen gesetzt. Der Antrag „Weil Plastik unkaputtbar ist, die Erde aber nicht“ wurde von den Delegierten einstimmig beschlossen und nimmt Politik, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft sowie die KLJB selbst in die Pflicht.

    „Es ist erschreckend, wie viel Plastik weltweit produziert, genutzt und schließlich entsorgt wird. Seit den 1970er Jahren sprechen wir von einer Versiebenfachung des  Produktionsvolumens von Kunststoffen. Während aus Plastik auf den ersten Blick vielseitige Produkte hergestellt werden können, sind die Folgen des Plastikkonsums erschreckend“, betont der scheidende KLJB-Bundesvorsitzende Stephan Barthelme. „Deutschland liegt mit seinem Verpackungsmüll pro Kopf über dem europäischen Durchschnitt und die EU verantwortet rund 353.000 Tonnen Meeresplastik pro Jahr. Hier müssen politisch ganz klare Regeln für ein Ende der Plastikzeit gesetzt werden.“

    Plastik fördert den Klimawandel und verschmutzt die Meere

    „Auch im Kampf gegen den Klimawandel ist die Plastikreduktion wichtig: Die Produktion von Kunststoffen trägt erheblich zum Klimawandel bei, da Kunststoffe auf fossilen Rohstoffen basieren, durch deren Nutzung Treibhausgase freigesetzt werden“, unterstreicht Stephan Barthelme. „Dazu kommt, dass Mikroplastikteilchen als möglicher Störfaktor für die sogenannte biologische Kohlenstoffpumpe im Meer gelten.“ Eine weitere Herausforderung sind die großen Mengen Meeresplastik, die beispielsweise direkt durch den Tourismus und die maritime Industrie, aber auch über Flüsse in die Meere gelangen. Die größte Müllinsel in den Ozeanen ist viereinhalbmal so groß wie die Fläche Deutschlands, was das Ausmaß der Verschmutzung in erschreckender Weise verdeutlicht.

    Plastik hat starke Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur

    Der KLJB ist es wichtig, auch auf die Gefahren von Mikroplastik für die Umwelt hinzuweisen. „Mikroplastik stellt eine Gefahr für maritime Lebewesen, aber auch die Menschen dar, die das Mikroplastik über die Nahrungskette aufnehmen“, erläutert Stephan Barthelme. Während Mikroplastik oft mit Kosmetikartikeln verbunden wird, zählen jedoch der Abrieb von Autoreifen, Freisetzungen bei der Abfallentsorgung oder auch der Abrieb durch Schuhsohlen zu den größten Quellen von Mikroplastik.

    „Grund dafür, dass so viel Plastik in die Umwelt gelangt, sind insbesondere auch unsere Müllexporte. Auf dem Transportweg kommt es immer wieder zur illegalen Verklappung von Abfall in die Meere. Oft wird der Müll in den Zielländern auch nicht recycelt, sondern auf riesigen Müllbergen gesammelt. Im Sinne unserer globalen Verantwortung müssen diese Müllexporte in Zielländer mit unzureichenden Umweltstandards verboten werden und Menschen im Globalen Süden vor Umwelt- und Gesundheitsrisiken geschützt werden“, führt Stephan Barthelme weiter aus. Im Kampf gegen die weitere Verbreitung von Plastik ist für die KLJB echtes Recyceln von Plastikabfällen von entscheidender Bedeutung: „Statt dem Export oder der thermischen Verwertung, also dem Verbrennen von Plastik, müssen sich Politik und Wirtschaft für echtes Kunststoff-Recycling stark machen. Eine verpflichtende Quote von recyceltem Plastik in allen Neuprodukten könnte hier ein Lösungsansatz sein“, bekräftigt Stephan Barthelme.

    Plastik ist nicht alternativlos

    Um den Plastikkonsum zu reduzieren, sollten mehr Alternativen zu Kunststoffprodukten genutzt werden. Dabei nimmt sich die KLJB auch selbst in die Pflicht: „Neben dem Einkauf nach ökologischen, regionalen und fairen Kriterien werden wir ab sofort auch verstärkt Plastikverpackungen vermeiden. Ganz im Sinne der Umweltenzyklika Laudato Si‘ von Papst Franziskus und der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) ist das Vermeiden von Plastikabfällen für uns in der KLJB eine logische Konsequenz“, erklärt Stephan Barthelme. Dass der Verzicht auf Plastik auch Freude bereiten kann, hatte die KLJB in einem eigens durchgeführten plastikfreien Wochenende Anfang Februar 2020 bereits bewiesen: „Jede*r kann durch kleine Schritte einen Unterschied machen. Aber auch Politik und Wirtschaft müssen die richtigen Anreize setzen und die entsprechenden Stellschrauben drehen, um das Ende der Plastikzeit einzuläuten“, betont Stephan Barthelme abschließend.

    Den Beschluss finden Sie unter: www.kljb.org/beschluesse.

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  • KLJB-Bundesversammlung in Altenberg abgeschlossen

    Rhöndorf, 09. März 2020. Am Sonntag ist die Bundesversammlung der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) zu Ende gegangen. Der Jugendverband tagte vom 04. bis zum 08. März 2020 in Altenberg im Diözesanverband Köln, beschäftigte sich dabei in einem Studienteil mit dem Synodalen Weg und fasste einen Beschluss zum Thema Plastikreduktion. Der KLJB-Bundesvorsitzende Stephan Barthelme wurde nach sechs Jahren aus seinem Amt verabschiedet und Daniela Ordowski zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt.

    Plädoyer für ein Ende der „Plastikzeit“
    Der diesjährige Leitantrag nahm das Thema Plastikvermeidung und -reduzierung in den Blick. Das Papier stellt konkrete Forderungen an Politik, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft, richtet sich aber auch an den eigenen Verband. Im einstimmig gefassten Beschluss fordert die KLJB ein Umdenken in der Verwendung von Kunststoffen im Sinne einer nachhaltigen globalen Entwicklung. „Mit diesem sehr guten Beschluss wollen wir aufzeigen, welche negativen Auswirkungen Kunststoffe weltweit haben. Bei der Herstellung und Verwertung von Kunststoffen muss sich dringend etwas ändern“ erklärt der scheidende Bundesvorsitzende Stephan Barthelme. „Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz, in dem es Alternativen für Plastikprodukte, um eine Sensibilisierung der Gesellschaft und um ordnungspolitische Maßnahmen gehen muss. Nur so kann das Ende der Plastikzeit eingeläutet werden“, ergänzt Stephan Barthelme.

    Kirchenpolitischer Studienteil
    In einem kirchenpolitischen Studienteil mit dem Titel „Erkennt die Kirche die Zeichen der Zeit?“ beschäftigten sich die rund 100 Delegierten mit großem Interesse mit dem Synodalen Weg, der vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und der Deutschen Bischofkonferenz (DBK) gemeinsam getragen wird. In einem Impulsvortrag gab der stellvertretende ZdK-Vorsitzender Wolfgang Klose zunächst einen Überblick über den Prozess. Danach wurde in verschiedenen Workshops zu den vier Synodalforen „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“, „Priesterliche Existenz heute“, „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ sowie „Sexualität und Partnerschaft“ intensiv diskutiert und beraten. Im Anschluss präsentierten die Delegierten ihre Ergebnisse und Wünsche für den Synodalen Weg im Plenum und übergaben diese an Wolfgang Klose und Daniela Ordowski als anwesende Mitglieder der Synodalversammlung.

    Aktualisierung der KLJB-Leitlinien und Änderung der Bundessatzung
    Die Bundesversammlung hat zudem neue Leitlinien für die Katholische Landjugendbewegung beschlossen. Sie sollen den Verband weiterentwickeln und eine Richtschnur für die Arbeit der KLJB auf allen Ebenen sein. Auch die Bundessatzung war ein wichtiger Schritt für den Verband: Zukünftig stehen alle Ämter im Bundesverband neben Frauen und Männer auch für Menschen diversen Geschlechts offen. Auch Menschen, die sich nicht den Geschlechterkategorien männlich oder weiblich zuordnen können oder wollen, werden so angesprochen. Damit erhofft sich die KLJB auch eine Signalwirkung über den eigenen Verband hinaus.

    Veränderung im KLJB-Bundesvorstand
    Neu in den Bundesvorstand wählte die Bundesversammlung Daniela Ordowski aus dem Diözesanverband Mainz. Die 26-jährige Studentin der Politikwissenschaft möchte für ihre Amtszeit einen Schwerpunkt auf ökologische, klimapolitische und Nachhaltigkeitsthemen legen. „In den nächsten Jahren möchte ich mich für eine KLJB stark machen, die mutige Entscheidungen trifft, ihre vielfältigen Themen zusammen denkt und Synergien nutzt. Ich bin sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit all den engagierten jungen Menschen, um gemeinsam das Land zu bewegen.“, so Daniela Ordowski. Sie bildet mit Carola Lutz (Bundesseelsorgerin) und Sarah-Schulte-Döinghaus (Bundesvorsitzende) den neuen KLJB-Bundesvorstand.

    Am Samstagabend wurde Stephan Barthelme, der nach sechs Jahren aus seinem Amt als KLJB-Bundesvorsitzender ausscheidet, in einem feierlichen und sehr wertschätzenden Rahmen verabschiedet. Für sein großes Engagement für die katholische Jugendverbandsarbeit wurde Stephan Barthelme vom BDKJ-Bundesvorstand das Goldene Ehrenkreuz verliehen, die höchste Auszeichnung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend.

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  • Daniela Ordowski als neue Bundesvorsitzende des Verbands gewählt

    Altenberg, 07. März 2020. Die Bundesversammlung der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) hat am Samstag Daniela Ordowski als neue KLJB-Bundesvorsitzende gewählt. Gemeinsam mit der Bundesvorsitzenden Sarah Schulte-Döinghaus und der Bundesseelsorgerin Carola Lutz bildet sie den neuen KLJB-Bundesvorstand. Für Stephan Barthelme endet hingegen nach sechs Jahren seine Zeit als Bundesvorsitzender des Verbands.

    „Ich freue mich sehr über das Vertrauen der Delegierten“, erklärt Daniela Ordowski nach ihrer Wahl. „In den nächsten Jahren möchte ich mich für eine KLJB stark machen, die mutige Entscheidungen trifft, ihre vielfältigen Themen zusammen denkt und Synergien nutzt. Ich bin sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit all den engagierten jungen Menschen, um gemeinsam das Land zu bewegen.“

    Die 26-Jährige studiert Politikwissenschaft und kommt aus dem Diözesanverband Mainz. Seit 2017 vertritt sie den Verband in den internationalen Strukturen der KLJB als Europavorsitzende der MIJARC (Mouvement International de la Jeunesse Agricole et Rurale Catholique). Zudem arbeitet sie seit 2016 auch in der Weltkoordination der MIJARC Welt mit. Auf Bundesebene der KLJB ist Daniela Ordowski seit 2013 aktiv und war seit dieser Zeit insbesondere im Bundesarbeitskreis für Internationale Entwicklung aktiv und hat so die Arbeit an Themen wie den Fairen Handel, Partnerschaftsarbeit und Europa intensiv mitgestaltet. Auch klimapolitisch hat Daniela Ordowski die KLJB unter anderem auf den UN-Klimaverhandlungen in Katowice und Bonn vertreten und möchte auch für ihre Amtszeit einen Schwerpunkt auf ökologische, klimapolitische und Nachhaltigkeitsthemen legen.

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  • Thema „Plastikfrei“, Leitlinien und Studienteil zum Synodalen Weg

    Rhöndorf, 27. Februar 2020. Die Bundesversammlung der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) findet vom 04. bis zum 08. März 2020 in der Diözese Köln statt. Die über hundert Delegierten werden in der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg in Odenthal mitunter über einen Antrag zum Thema Plastikreduktion beraten, die Leitlinien des Verbands aktualisieren und sich in einem Studienteil mit dem Synodalen Weg beschäftigen. Darüber hinaus wird Bundesvorsitzender Stephan Barthelme verabschiedet.

    Plädoyer für ein Ende der „Plastikzeit“
    Weit oben auf der Agenda der Bundesversammlung steht ein Antrag zum Thema Plastik. Mit dem Papier will die KLJB konkrete Forderungen an Politik, Kirche, Wirtschaft, Gesellschaft sowie auch den eigenen Verband richten, um ein Umdenken in der Verwendung von Kunststoffen im Sinne einer nachhaltigen globalen Entwicklung anzuregen. „Wir sind davon überzeugt, dass sich in der Herstellung, beim Einsatz und in der Verwertung von Kunststoffen grundlegend etwas ändern muss“, erläutert Bundesvorsitzender Stephan Barthelme. „Mit diesem Antrag wollen wir aufzeigen, welche vielfältigen negativen Auswirkungen Kunststoffe weltweit haben.“
    Vor allem Deutschland und die Europäische Union müssen sich dabei ihrer Verantwortung stellen, da insbesondere Länder des Globalen Südens unter Müllexporten leiden. „Hier muss ein ganzheitlicher Ansatz her, um das Ende der Plastikzeit einzuläuten“, ergänzt Stephan Barthelme.

    Aktualisierung der KLJB-Leitlinien
    Der Bundesvorstand hat gemeinsam mit einigen Diözesan- und Landesverbänden sowie mit den Bundesarbeitskreisen an einer ausführlichen Umgestaltung der Leitlinien der KLJB  gearbeitet. Das Ergebnis wird als Antrag in die Bundesversammlung eingebracht. Die überarbeiteten Leitlinien sollen den Verband weiterentwickeln und eine Richtschnur für die Arbeit der KLJB sein.

    Kirchenpolitischer Studienteil
    In einem kirchenpolitischen Studienteil zum Thema „Erkennt die Kirche die Zeichen der Zeit?“ setzen sich die Delegierten mit dem Synodalen Weg auseinander, der innerhalb der Katholischen Kirche als zweijähriger Prozess angelegt ist. Dies geschieht in vier verschiedenen Workshops zu den vier Synodalforen „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“, „Priesterliche Existenz heute“, „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ sowie „Sexualität und Partnerschaft“. Im Anschluss an die Workshops werden die Ergebnisse im Plenum diskutiert und an Wolfgang Klose, den Vizepräsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, übergeben.

    Veränderungen im KLJB-Bundesvorstand
    Am Samstag wird der Verband auch personell die Weichen für die Zukunft stellen: So gilt es, zwei Ämter im Bundesvorstand zu besetzen. Daneben finden auch Wahlen für weitere Gremien und Delegationen statt. Am Abend wird die KLJB-Bundesversammlung dann den Bundesvorsitzenden Stephan Barthelme aus seinem Amt verabschieden, der sechs Jahre lang an der Spitze des Verbandes stand.

    Herzliche Einladung
    Wir freuen uns über Ihren Besuch und Ihre Berichterstattung über die KLJB-Bundesversammlung und lassen Ihnen bei Bedarf einen detaillierten Zeitplan zukommen. Gerne vereinbaren wir auch individuelle Termine für ein Interview mit den drei Bundesvorstandsmitgliedern. Bitte nehmen Sie dazu Kontakt mit dem Pressereferenten Malte Pahlke auf: Tel. 02224.9465-14 oder m.pahlke@kljb.org

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  • Beschluss 2017: In Zukunft nur gemeinsam! Unsere Vision von einem geeinten Europa